Viel Spaß beim Lesen!
Oss, Pat
Der Sensei
Sehr oft, vorzugsweise in Deutschland scheinen viele Menschen Probleme damit zu haben unsere Lehrmeister, in unserem Falle zunächst einmal Shihan Ochi, mit ihrem Titel zu benennen. So kann man auf jedem Lehrgang an jeder Ecke, „Der Ochi hat…, Der Ochi möchte...“ hören. Selbst wenn ein Verbandsmagazin als oberstes Organ Lehrgänge mit unserem Shihan als „Ochi-Lehrgang in…“ betitelt, macht es das noch lange nicht richtig und degradiert meines Erachtens den Verfasser bestenfalls zum Weißgurt!
Der Fisch fängt bekanntlich am Kopf an zu stinken!
Sicher ist jedem Karateka der Begriff „Dojokun“ geläufig. Hierbei handelt es sich um die „Dojo-Regeln“, deren vierte Regel besagt: Ehre die Prinzipien der Etikette! Schön und Gut, runterbeten können wir sie schon, aber befolgen wir sie auch? Sehr oft kann man das Argument hören: „Wir sind hier nicht in Japan!“, „Wir sind emanzipiert!“ Ok! Dann aber eventuell lieber Kickboxen oder Sportkarate betreiben!
Aber lassen wir jemanden zu Wort kommen, der es vermag mit wenigen Worten den Nagel punktgenau auf den Kopf zu treffen- Mein japanischen Sensei Shinji Akita:
先生 Sensei
Wörtlich übersetzt bedeutet Sensei, derjenige welcher früher geboren wurde, ein Älterer.
Ich höre sehr oft Argumente, warum man jemanden mit Sensei anreden sollte, oder warum nicht. Warum brauchst du immer Gründe…?
Warum nennst du deinen Vater „Papa“, „Daddy“, Otosan“, etc…?
Weil es dir so beigebracht wurde als du noch ein Baby warst! Du nennst deinen Vater nicht bei seinem Namen, oder? Sie sind nicht perfekt, benehmen sich eventuell manchmal nicht gut, aber dennoch nennen wir sie respektvoll „Papa“, unter Anerkennung ihrer Unterstützung uns gegenüber. Wegen ihnen existieren wir und können leben… Das sollten wir niemals vergessen!
Nun zu unseren Sensei- Ochi Sensei, Sugimura Sensei oder wie sie alle heißen mögen! Hast du dich schon einmal gefragt warum wir hier Karate betreiben können? Wir sollten auf ihre Geschichte, ihr Lebenswerk und ihren Einsatz schauen!
Brauchst du immer noch einen Grund diese Menschen „Sensei“ zu nennen?
Falls es dir bisher noch niemand beigebracht hat, fang doch einfach an sie Sensei zu nennen und deine Babys (Schüler) werden dich kopieren und nachahmen was du sagst und wie du dich verhältst…
Oss!
Die korrekte Form des An-, und Abgrüßens im Dojo (by P.Jokl)
Die folgende Form des An-, und Abgrüßens vor dem Karate-Unterricht basiert auf der in der JKA gelehrten und wird auch in unseren Dojo praktiziert. Ebenfalls sollten wir uns diese Form auch auf Lehrgängen der JKA, oder JKA affinen Lehrgängen zu Eigen machen!
1.) Der Sensei betritt das Dojo
In Japan, aber auch in vielen traditionellen Dojo in Deutschland und Europa hat der Sempai (der höchstgraduierte im Dojo) die Aufgabe das Eintreten des Sensei wahrzunehmen und mit einem lautstarken, dem Dojo angepassten, Ton „Kiotsuke“ auszusprechen. Die Mitschüler drehen sich zum Sensei und verneigen sich mit der Bekundung „OSS“
Das schult die Aufmerksamkeit und ist eine Respektbekundung dem Sensei gegenüber!
2.) Die Aufstellung
Der Sensei steht bereit in Richtung Shomen (die Frontseite des Dojo) und wartet auf das Kommando des Sempai: „Seiretsu“. Seiretsu bedeutet schlicht „Aufstellung“. Stehen alle physisch an der richtigen Stelle, kommt noch einmal das Kommando „Kiotsuke“. Spätestens jetzt besteht Bedarf dieses Wort zu erklären. „Kiotsuke“ wird häufig banal als „Achtung“ übersetzt, die Bedeutung liegt aber, wie immer im Japanischen viel tiefer! Eine bessere Übersetzung wäre wohl: „Ki fokussieren“, oder „Den Geist verbinden“.
Durch dieses Kommando soll eine tiefe physische, psychische und geistige Verbundenheit unter allen Anwesenden hergestellt werden!
3.) Das Absitzen
Anschließend kommt das Kommando vom Sempai „Seiza“ –„Richtig Sitzen“, gefolgt von den Kommando“ Mokuso“, was mit „Meditation“ oder „Ruhiges Denken“ übersetzt werden kann. Die Meditation endet nach einigen Atemzyklen je nach Schule, Lehrer und Budo-Disziplin durch „Mokuso Yame“.
4.) An- und Abgrüßen
Als Nächstes folgt das Kommando „Shomen ni Rei“, was „Gruß nach Vorne“ bedeutet. Hier kann jeder individuell entscheiden, was ihm persönlich „Verehrungswürdig“ erscheint. Das kann eine Gottheit, eine Idee, eine Person, ein Land, etc. sein. Wichtig ist einfach, dass man demütig etwas Größeres anekennt. Die Hände werden mit den Fingerspitzen 45° zueinander gedreht auf den Boden gelegt und es erfolgt eine Verneigung, bei der man die Stirn andeutungsweise in das Dreieck neigt.
Nun dreht der Sensei sich zu den Schülern um und der Sempai grüßt im Namen aller den Sensei mit „Sensei ni Rei“ an. (Unser Großmeister Herr Ochi wird mit „Shihan ni Rei“ angegrüßt!). Wieder wird sich in gleicher Weise verneigt, doch dieses Mal bekundet man den Gruß mit einem herzhaften „OSS“.
5.) Das Aufstehen
Der Sensei steht als erstes auf, dann kommt das Kommando vom Sempai „Kiritsu“, was schlicht weg „Aufstehen“ heißt.
Bei näherer Betrachtung erkennt man, dass hinter allen Ritualen ein Sinn steckt, welcher uns zunächst fremd und seltsam erscheint. Man mag es gar nicht so recht machen, irgendwie fühlt man sich doof, erkennt keinen Sinn. Das ist meines Erachtens auch der Grund warum heutzutage viele „Sensei“ (oder doch eher Trainer?) diese Rituale weglassen. Sie können sie ihren Schülern nicht ordentlich vermitteln, da sie deren Bedeutung selbst noch nicht erlernt haben!
Dabei sind diese Kleinigkeiten sehr wichtig für unsere eigene psychische und spirituelle Entwicklung. Erst diese Rituale heben uns vom banalen Kampfsport ab und zeichnen uns als Kampfkünstler aus!
Was bedeutet der Begriff „Kime“?
„Ganz klar, das weiß ich!“, wird jeder halbwegs fortgeschrittene Karateka sagen. Die Frage ist: Kennen wir Nicht-Japaner die tiefe Bedeutung des japanischen Wortes Kime wirklich oder glauben wir es nur zu kennen?
Wir übersetzen Kime sehr oft mit „Spannung“, setzen es mit „Arretieren der Technik“ oder gar meiner „Lieblingsbeschreibung“ „Einrasten der Technik“, gleich.
Das führt dazu, dass Karate bei uns Europäern aussieht wie es eben nun mal aussieht: steif, ungelenk, unharmonisch, eckig und kantig oder um es mit einem japanischen Wort auszudrücken: katai!
Wie so oft denke ich, passieren die meisten Fehler aufgrund von Übersetzungsfehlern, sowie der fehlenden Worte in der deutschen Sprache!
Selbst Akita Sensei, welcher wahrscheinlich besser als jeder andere Karatemeister uns Europäer in jeder Hinsicht versteht, kann das Wort Kime nicht mit einem einzigen Begriff erklären.
Ein nächtlicher Erklärungsversuch dauerte zirka eine Stunde!
Doch was ist nun Kime?
Laut Akita Sensei ist Kime nichts andres als der Moment des Treffens, der Moment der Entscheidung, zum Schluss kommen oder Abschließen!
Man erkennt sofort, dass diese Begriffe mit unserem Verständnis von Kime nur wenig gemein haben. Somit ist die Anspannung des Körpers oder der Muskulatur lediglich das Resultat von Kime!!!
Wir sollten von Zeit zu Zeit auch im Karate unseren Kopf benutzen! Ist es wirklich notwendig hechelnd, grunzend und schnaufend und total verkrampft durchs Dojo zu springen? Wie werfen wir einen Stein? Welches Gefühl haben wir wenn wir einen Dartpfeil werfen?
Wir sollten mal über den Tellerrand schauen und Golfer oder Baseballspieler anschauen.
Meine größten Lehrmeister in Sachen Kime sind meine Katzen. Unverkrampfte, ansatzlose und präzise Bewegungen! Ohne Kompromiss, kein Hauch zwischen Denken und Tun, einem tödlichen Schwertstreich gleich- DAS ist Kime!
Vom Zauber von Oss
„Oss“, ein kleines Wort, eine große Bedeutung?
Liest man im Internet über die Bedeutung des Wortes „Oss“ findet man viele divergierende Meinungen was denn nun dieses Wort bedeutet oder nicht bedeutet. Da erfährt man von Japanreisenden (Akita Sensei wunderte sich darüber, wie ein kulturfremder Mensch eine Aussage über die Bedeutung einiger japanischen Worte machen könne), die urplötzlich das Wort Oss nicht mehr in den Mund nehmen, weil es angeblich in Japan nicht gebraucht wird, gar verpönt ist. Eigentlich gar nicht so falsch, denn tatsächlich wird das Wort nur von einigen Gruppierungen in Japan benutzt, jedoch stellt sich die Frage, wie ein Karateka solch eine Aussage treffen kann. Denn im Dojo, sei es in Japan oder in einem Dojo im Sudan benutzen wir sehr wohl das Wort „Oss“. Doch was ist die tiefere Bedeutung? Was bedeutet es für UNS Karateka?
Akita Sensei erklärt es so:
Dein Sensei gibt dir eine Anweisung, welche möglicherweise nicht deiner momentanen Einstellung entspricht. In einigen Verbänden/ Dojo bricht nun eine nette Diskussion aus und die Sache wird demokratisch ausdiskutiert. Der Lernprozess ist unterbrochen, die Lehrmeinung des Sensei wird in Frage gestellt, das Ego schleicht sich wieder in den Vordergrund.
Therapie: Sag einfach „Oss“!
Oss bedeutet soviel wie: „Ich unterdrücke im Moment meine eigene Meinung, denn ich bin hier um zu lernen –meine Meinung zählt jetzt nicht!“
Sehen wir es aus der Warte eines Kindes. Gib ihm die Möglichkeit über sein Essen zu entscheiden. Was wird es wohl zu sich nehmen? Genau! Schokolade und sonstige Süßigkeiten! Wohl wissend, dass dies ungesund ist diktieren nun die Eltern den Kindern das gesunde Essen, WEIL sie es im Moment besser wissen! In der Hoffnung, dass das Kind eines Tages die Notwendigkeit gesunder Ernährung erkennt.
Bekommen wir die Freiheit im Unterricht zu entscheiden wie eine Technik ausgeführt wird, ob schnell oder langsam, ob stark oder schwach, werden wir uns für einen leichten, komfortablen Weg entscheiden. Denn das ist die Natur der Menschen. Dafür ist ein guter Sensei da, einem Schmied gleich hämmert und formt er uns immer und immer wieder, bis eines Tages aus einem grauen stück Eisen eine kunstvolle, glänzende Klinge entsteht! Diese Arbeit jeden Unterricht aufs Neue anerkennend bekunden wir mit dem Wort Oss!
Natürlich reicht das Wort für uns auch über die grenzen des Dojo hinaus, so erkennen wir einander wenn wir uns mit Oss begrüßen oder die Gläser mit einem herzhaften Oss erheben. Auch hier ist es kein sinnfreies Geplappere denn mit Oss bekunden wir die Anerkennung des Anderen und die Wertschätzung des Augenblicks!
OSS!!!

